Neues aus der Materialsammlung zur Kunst der DDR. Eine Notiz.

von Ben Kaden (@bkaden)

Nachdem das Park-Inn-Hotel am Alexanderplatz (ehemals Interhotel Stadt Berlin) das Wissen der Facebook-Crowd zu aktivieren suchte, um Details zu einer bei Umbauarbeiten im Panoramageschoss freigelegte keramische Wandgestaltung zu erfahren, wurde mir eine Lücke bewusst. Denn obschon sich in diesem Fall (siehe Abbildung) sehr leicht Gunda Walk und Gertraude Pohl als Urheberinnen der Kunst im Bau festmachen ließen, gibt es genügend Fälle, in denen eine Zuordnung deutlich schwerer fällt.

Facebook / Park-Inn Berlin / Gunda Walk, Gertraude Pohl
Auf der Suche nach der Urheberschaft: Facebook-Aufruf des Park-Inn Berlin zu einer Wandgestaltung. Untern rechts im Bild die Signaturen von Gunda Walk und Gertraude Pohl.

Ohne solche Anhaltspunkte fehlen jedoch wichtige Informationen für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den jeweiligen Objekten. So versuche ich beispielsweise seit langem herauszufinden, wer für das Struwwelpeter-Wandbild in der Berliner Niederwallstraße verantwortlich zeichnet. Ich bin natürlich zuversichtlich, früher oder später auf eine Quelle mit einem Hinweis zu Heinrich-Hoffmann’schen Bilderbuchwelt in Sichtweite zu Wilfried Fitzenreiters Paris mit dem Erisapfel zu finden. Aber ich ahne auch, dass dies von vielen Zufällen abhängig sein und möglicherweise noch dauern wird. Zu hoch türmen sich die Stapel mit Material, zu viele Zeitschriften und Zeitungen sind noch nicht gesichtet.

Giebelbild in der Niederwallstraße Berlin-Mitte
Der Giebel als Bühne. Ein Wandbild in der Niederwallstraße in Berlin-Mitte

Die Stärke digitaler Medien liegt bekanntlich darin, solche Rechercheprozesse mittels Volltexterschließung zu beschleunigen. Zumal viele dieser Daten irgendwo bereits digital vorliegen dürften. Denn ich bin mit Sicherheit nicht der Einzige, der zwar mehr zum Vergnügen, aber eben doch halbwegs systematisierend, Angaben zu den Facetten von Architektur und Kunst (in) der DDR zusammenträgt.

Ein großer Gewinn wäre bereits, solche privaten Sammelarbeiten über das Netz für Suchmaschinen und volltextdurchsuchbar zugänglich zu machen. Meine wachsende bibliografische Materialsammlung ist exakt dadurch motiviert. Mit dem Problem, dass die in einem Online-Pad verwaltete Liste bei der Umwandlung in HTML-Code Teile ihrer Formatierung verliert, muss man genauso leben, wie mit der Tatsache, dass natürlich doch hier und da Tipp- und Übertragungsfehler sowie Unstimmigkeiten bleiben. Es ist eine Arbeit, die nebenbei, in einer gemütlichen stillen Stunde an einem Samstagvormittag entsteht und natürlich auch nicht ohne Eigennutz. Denn in Fragen, wie der vom Park-Inn aufgeworfenen, ist es damit möglich, auch direkt aus dem X54er Bus auf dem Smartphone zu schauen, ob sich etwas zu Gertraude Pohl in der Bibliografie findet. Der Befund war in diesem konkreten Fall zugegeben leider negativ.

Das führt zur Erkenntnis, die zwangsläufig einen zweiten Schritt auslöst. Titel sagen zwar ab und an einiges, aber eben nicht genug. Für eine wirkliche nützliche Nachweissammlung ist eine tiefere Erschließung notwendig. Aus diesem Grund erfasse ich dort, wo es mir möglich ist, zusätzlich zu den bibliografischen Angaben auch die in den Texten thematisierten konkreten Arbeiten bzw. erwähnten Künstler*innen.

Realisiert ist dies in der Materialsammlung zum Beispiel für den Tagungsband Kunst im Stadtraum – Hegemonie und Öffentlichkeit (: [Tagungsband zum Symposium im Rahmen von DRESDENPostplatz; veranstaltet vom Kunstfonds des Freistaates Sachsen in Kooperation mit dem Kunsthaus Dresden vom 21. bis 23. November 2003 in Dresden]. Berlin: b-books, 2004). Mit einer einfachen textanalytischen Auswertung lassen sich anhand des kleinen Indexes drei Künstler ermitteln, die im Band besonders häufig erwähnt wurden: Peter Makolies, Vinzenz Wanitschke und Walter Howard. Das ist natürlich für einen Titel unsinnig. Würde man das Verfahren jedoch auf einige hundert Titel oder Texte – beispielsweise die Volltexte der Zeitschrift “Bildende Kunst” – anwenden und mit einer Zeitachse verbinden, könnte man leicht im klassischen Forschungssinn der Digital Humanities Verteilungen und damit Hypothesen zum Diskurs über die Kunst der DDR ermitteln. Erstaunlicherweise hat dazu meines Wissens noch niemand ein Forschungsprojekt angeregt, obschon dies durchaus etwas beispielsweise für den Marburger Forschungsschwerpunkt von Sigrid Hofer sein könnte.

Bis sich dem jemand auf dieser Komplexitätsebene widmet, werde ich mich auf jeden Fall und solange es mir Freude bereitet mit der Datenerfassug anhand der Materialien beschäftigen, die auf meinen Schreibtisch finden. Ich sehe das durchaus als Vorarbeit für ein künftiges Zentralverzeichnis Kunst (in) der DDR. Dass die Sammlung nicht als relationale Datenbank oder in RDF-Triplen auf Github sondern als Google-Doc- und HTML-Dokumente hier landet, liegt auch daran, dass es mir vom Aspekt des Interesses her vorrangig um die Inhalte geht und weniger um eine optimale dateninfrastrukturelle Vorbereitung. Es ist natürlich ein wenig Abwägungssache. Aber am Ende habe ich mehr Freude, die Bücher und Aufsätze zu exzerpieren, als zunächst einmal ein Jahr in die Datenbankkonzeption und -realisierung zu investieren. Wenn dazu jemand Lust hat, bin ich für jede Kooperation offen.

Bis dahin kann ich – auch mir selbst – nur die informationswissenschaftlich suboptimale Volltexterschließung per Browsersuche vorbereiten. Absehbar ist freilich bereits, dass Bibliografie und indexierende Inhaltserschließung eher früher als später die Grenzen des Praktikablen sowohl von Google Docs als auch der Darstellung als Webseite strapazieren werden, weshalb perspektivisch wohl eine Aufteilung in drei Materialsammlungen analog zu meinen Themen- und Interessensschwerpunkten – Architektur der DDR, (Baugebundene) Kunst der DDR sowie Fotografie der DDR – erfolgen wird. Und vermutlich wird es später doch auf eine Datenbank hinauslaufen. Die Betonung liegt hier allerdings wirklich auf einem unbestimmten später.

Möglicherweise entwickelt sich auch dieses Weblog stärker als bisher in Richtung eines Mediums zur Datenpräsentation, wenngleich solche Lösungen erfahrungsgemäß ebenfalls ihre Nachteile haben.

Nachfolgend soll nur als kurze Skizze angeführt, wie ein solcher Index als Vorarbeit zu einer komplexen Datensammlung mit relativ wenig Aufwand auf Ebene eines Titels aussehen könnte. Gelistet werden fast alle Arbeiten, die Peter Guth in seiner zur baugebundenen Kunst der DDR maßgeblichen Abhandlung Wände der Verheißung abbildet. Man erhält damit zugleich einen groben Überblick zu mutmaßlich als exemplarisch zu betrachtenden Einzelarbeiten auf diesem Gebiet. Erschließt man nun mehr einen Großteil der Literatur zum Thema, lassen sich sehr einfach auch auf das einzelne Objekt bzw. auf einzelne Künstler*innen oder auch Kooperationen, Orte und Jahre bezogene Bibliografien und Nachweislisten erstellen. Es ließe sich anhand des Korpus der Literatur zum Thema ein schönes Netzwerk für die diversen einschlägigen Forschungsfragen abbilden lassen. Das Potenzial ist enorm. Der Stapel an zu erschließenden Quellen allerdings ebenso.

Peter Guth: Wände der Verheißung. Leipzig: Thom, 1995. Zugl.: Leipzig, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Dissertation, 1995. ISBN: 3-9803346-7-8. 525 Seiten Inhaltsverzeichnis

  • Wieland Schmiedel – Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus, Schwerin, 1982
  • Bernd Sikora – Alfred-Frank-Ehrung, Leipzig-Grünau, 1984
  • Bruno Kubas – Fischerstele, Wermsdorf, 1986
  • Hans-Joachim Förster – Stele, Leipzig-Grünau, 1987
  • Wolfgang Müller – Stadteingang Delitzscher Straße, Leipzig, 1982
  • Eberhard Kull – Stadteingang Halle, 1982
  • Fritz Kühn – Brunnen “Schwebender Ring”, Strausberger Platz, Berlin, 1967
  • Jochen Fiedler – Giebelgestaltung (Zoo), Delitzscher Straße, Leipzig, 1980
  • Kurt Sillack, Rudolf Lipowski – Wandbild, Fußgängerzone Prager Straße, Dresden, 1969
  • Martin Hadelich – ZIegenreiterin, Fußgängerzone Halle, 1975
  • Bernd Göbel – Liebespaar, Fußgängerzone, Halle, 1977
  • Heinrich Apel – Hofnarr Fröhlich, Dresden, 1979
  • Fritz Cremer – Bertolt Brecht, Berlin
  • Klaus Schwabe – Wandbild im Treppenhaus des EDV-Rechenzentrums “Robotron”, Leipzig, 1976
  • Claus Dietel – Brunnenplastik, Lobby Stadtbad Karl-Marx-Stadt, 1985
  • Georg-Torsten Kozik – Wandbild “Am Meer”, Stadtbad Karl-Marx-Stadt, 1983
  • Ronald Paris – Wandbild. Haus der Statistik, Berlin, 1969
  • Jutta Hellgreve, Bernd Sikora – Giebelgestaltung “Zoo”, Erich-Weinert-Platz, Leipzig, 1980
  • José Renau – Wandbild “Der Mensch nutzt die Atomenergie zu friedlichen Zwecken”, Energiekombinat West, Halle, 1971
  • Fritz Kühn – “Lindenblatt-Portal”, Polnische Botschaft, Berlin, 1966
  • Klaus Schwabe – Georg-Schumann-Ehrung, NVA-Kaserne Delitzsch, 1976
  • Bernhard Heisig – Wandbild “Hier und in dieser Zeit”, Bezirksleitung der SED, Leipzig, 1974
  • Waldemar Grzimek (mit Hedwig Bollhagen und Heidi Manthey – Keramikfries im Vestibül des Parteihauses der NDPD, Berlin, 1957
  • Regine Lipowski, Lutz Lipowski, Gerhard Klampäckel – Foyer und Betonglaswand, Harlaßgießerei, Wittgensdorf, 1977/83
  • Friedrich Press, Klinkerwand, Gabrielskirche, Wiederitzsch, 1968/70
  • Willi Sitte – Wandbild “Gedanken zum Kommunistischen Manifest, Parteihochschule der SED, Berlin, 1978
  • Heinz Beberniß, Gerhard Lichtenfeld, Sigbert Fliegel – Monument zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Halle. 1975
  • Rudolf Grunemann, Günter Junge – Symbolische Darstellung von Chemie und Wissenschaft, Schwedt, WK 2, 1967
  • Inge Götze – Wandteppich “Leben im Sozialismus”, Restaurant “Treff”, Wohngebietszentrum II, Halle Neustadt, 1969
  • Walter Womacka – Glasfendet “Mensch und Natur, Wissenschaft und Kosmos”, Foyer zum Auditorium, Humboldt-Universität zu Berlin
  • Lutz Brandt – Giebelgestaltung, Warschauer Straße, Berlin, 1980
  • Carola Buhlmann, Joachim Buhlmann – Keramikgruppe “Familie”, Potsdam, 1980
  • Dieter Dressler – Wandmosaik, HO-Gaststätte “Am Stadttor”, Cottbus, 1969
  • Reinhard Dietrich – Lebensbaummotiv, Rostock-Evershagen, 1974
  • Jürgen von Woyski – Lebensbaum, Hoyerswerda, 1967
  • Karl-Heinz Schamal – Lebensbaum, Berlin-Marzahn
  • Hernando León – Lebensbaum, Schwerin, 1977
  • Waldemar Grzimek – Dornenkranz, Gedenkstätte Buchenwald, 1958
  • Siegfried Schade – Mutter und Kind, Wandbild, Dresden-Prohlis, 1979
  • Arnold Bauer, Lothar Krone – Innenraumgestaltung Bar im Gaststättenkomplex “Stadt Vilnius”, Erfurt-Rieth, 1976
  • Thekla Müller – Gobelin, Klubhaus des FDGB, Halle, 1978
  • Willi Sitte – Wandbild “Die rote Fahne – Kampf, Leid und Sieg”, Palast der Republik, Berlin, 1976
  • Alfred Thiele, Fritz Przibilla – Säule “Arbeit und Handel”, Messehof-Passage, Leipzig, 1950
  • Dietrich Burger – Eingangsrisalit, Oberschule, WK 7, Leipzig-Grünau
  • Bernd Sikora – Trafohausbemalung, Leipzig-Grünau, 1982
  • Walter Münze – Wandbild “Bergmann”, Aula der Arbeiter- und Bauernfakultät. Leipzig, 1950
  • Bruno Quass – Marmormosaiksäuke, Foyer, Deutsches Nationaltheater, Weimar, 1948
  • Hermann Kirchberger – Glasmosaiksäule, Rangfoyer, Deutsches Nationaltheater Weimar, 1948
  • Hermann Kirchberger – Wandbild / 1.und 2. Fassung, Deutsches Nationaltheater, Weimar, 1948/49
  • Karl Völker – Wandbild, Schule am Gradierwerk, Bad Dürrenberg bei Halle, 1947/48
  • Walter Womacka – Glasfenster für die Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen, 1961
  • Frank Glaser – Glasfenster “Lenin in Deutschland”,  Humboldt-Universität zu Berlin, 1968/69
  • Walter Arnold – Mahnmal für die Opfer des Faschismus / Widerstandskämpfer, Südfriedhof, Leipzig, 1948/50
  • Gustav Weidanz – Mahnmal für die Opfer des Faschismus, Zerbst, 1949/51
  • Gustav Weidanz – Mahnmal für die Opfer des Faschismus, Apolda, 1951
  • Gustav Weidanz – Totenmal für die Opfer des Faschismus, Weißwasser, 1946
  • Waldemar Grzimek – Mahnmal für die Opfer des Faschismus, Halle, 1948
  • Willy Jahn – Wandbild “Kriegsbrandstifter sind Verbrecher!”, Feuerwache, Nordplatz, Dresden, 1948
  • Bert Heller – Wandfries, Rathaus Wernigerode, 1947
  • Bert Heller – Wandfries “Harzsagen”, Brockenhotel, 1958
  • Horst Strempel – Wandbild, Bahnhof Friedrichstraße, Berlin, 1949
  • Erwin Hahs – Wandbild, Speisesaal Buna-Werke, Schkopau, 1948/49
  • Hermann Bachmann, Fritz Rübbert, Willi Sitte – Wandbilder, Landesverwaltungsschule Ballenstedt, 1949
  • Horst Strempel, René Graetz, Arno Mohr – Wandbild “Metallurgie Hennigsdorf”, Dresden, 1949
  • Hans Kinder – Wandbild “Tanz”, Dresden, 1949
  • Alfred Hesse, Erich Gerlach – Wandbild in der Hochschule für Verkehrswesen, Dresden, 1954
  • Max Lingner – Wandbild Haus der Ministerien, Berlin, 1953
  • Hans Grundig – Wandbild “Jugenddemonstration”, Rathaus Dresden, 1950/51
  • Claus von Woyski – Scagliola, Stalinallee, Berlin, um 1953
  • Bert Heller – Stuckintarsie in der Vorhalle des Haus des Kindes, Berlin, 1953
  • Kurt Bunge, Hannes W. Wagner, Claus von Woyski – Wandmalerei in den Heilstätten Bad Berka, 1952
  • Rudolf Oelzner – Figurengruppe Sportforum/Zentralstadion Leipzig, 1955/57
  • Kurt Barth – Lüftungsverkleidung in den Innenräumen der Berliner Volksbühne, 1954
  • Fritz Kühn, Treppengeländer in der Eingangshalle des Kinderkaufhauses, Stalinallee, Berlin, 1955
  • Hans Kies – Stele, Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, 1954/58
  • Fritz Cremer – Buchenwalddenkmal, Weimar, 1958
  • Waldemar Grzimek – Turmglocke, Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, 1958
  • Rolf Szymanski – “Pestalozzi und Kinder”, Pestalozzi-Schule, Leipzig, 1949/50
  • Wolfgang Frankenstein, Gerhard Moll – Wandbild im Mädchenheim Hessenwinkel/Berlin, 1951
  • Arnd Wittig – Sandsteinreliefs, Altmarkt, Dresden, 1955
  • Alfred Hesse – Wandbild, Amtsgericht Dresden, 1950
  • Fritz Skade – Wandbild, Kunstseidenwerk Pirna, Speisesaal, 1952/53
  • Max Uhlig, Friederike Schubert – Wandbild Anatomisches Institut, Karl-Marx-Universität Leipzig, 1953/54
  • Horst Völker, Karl Erich Müller – Wandbilder “Gleisbau”, “Fahrdienst”, Reichsbahnbetriebsberufsschule, Weißenfels, 1952/53
  • Richard Morgenthal – Vestibülabschlußfenster, Deutsches Hygiene-Museum, Dresden, 1948/50
  • Siegfried Gericke – Glasfenster, Robert-Koch-Schule, Berlin-Treptow, 1954
  • Bert Heller, Wandbild, Schalterhalle S-Bahnhof Berlin-Halensee, 1954
  • Walter Herbert – Wandbild “Die Entwicklung des Lebens in der Erdgeschichte”, Institut für Mikrobiologie, Jena, 1954
  • Arno Mohr – Wandbild, Hochschule für bildende und angewandte Kunst, Berlin-Weißensee, 1956
  • Vera Singer, Gerhard Moll – Wandbild, VEB Bergmann-Borsig, Berlin-Wilhelmsruh, 1957
  • Karl Erich Müller, Wilhelm Schmied – Keramikwandbild im Speisesaal der Leuna-Werke, 1958
  • Willy Jahn, Helmut Gebhardt – Wandbild, Medizinische Akademie Dresden, Mensa-Gebäude, 1958
  • Walter Womacka – Glasmosaik “Aufbau”, Haus der Parteien und Massenorganisationen, Stalinstadt / Eisenhüttenstadt, 1957/58
  • Willy Jahn – Wandbild “Erprobung von Segelflugmodellen”, Hochschule für Verkehrswesen, Dresden, 1954
  • Gerhard Richter, Wandbild, Deutsches Hygiene-Museum Dresden, 1956
  • Wilhelm Lachnit, Supraporten, Arbeiter- und Bauernfakultät der Technischen Universität Dresden
  • Gerhard Richter – Wandbild, Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Vortragssaal, 1956
  • Wolfgang Frankenstein – Wandbild, Dynamo-Sporthalle, Sportforum Berlin, 1959
  • Max Lachnit – Innenraumgestaltung, Mensa der Hochschule für Verkehrswesen, Dresden, 1959
  • Wolfgang Frankenstein – Wandbild im Kulturraum des VEB Holzwerk Berlin-Hohenschönhausen, 1957
  • Jürgen von Woyski – Reliefs Hochschule für bildende und angewandte Kunst, Berlin-Weißensee, 1956
  • Kurt Robbel – Wandbild in der Hochschule für bildende und angewandte Kunst, Berlin-Weißensee, 1956
  • Irmgard Hartmann – Glasfenster im Klub der Intelligenz, Halle, 1958
  • Walter Zschunke – Glasfenster im Kulturhaus Mestlin, 1957
  • Werner Moritz – Wandfries in der Mittelschule Eggesin, 1957
  • Vera Kopetz – Mosaik in der Mittelschule des Dorfes Bernitt/Güstrow, 1956
  • Manfred Kandt – Wandbild “Weinlese”, Café Stadt Prag, Magdeburg, 1955
  • Kurt Bunge – Zoo-Werbung, Osthalle, Leipzig-Hauptbahnhof, 1957
  • Willi Sitte – Gobelin “Ikarus”, 1958
  • Bernhard Heisig – Sgraffito im Erfrischungsraum, Sportforum Leipzig, 1955
  • Max Lachnit, Brunnen- “Der Flugwille des Menschen”, Internat der Technischen Universität Dresden, 1956/57
  • Walter Arnold – Ernst-Thälmann-Denkmal, Weimar, 1958
  • Lew Kerbel – Ernst-Thälmann-Denkmal, Thälmann-Park, Berlin, 1986
  • Rudolf Hogan – Brunnen im Hotel Astoria, Leipzig, 1958
  • Heinz Wagner – Glasfenster “Völkerfreundschaft”, Lobby des Hotels Astoria, Leipzig, 1958
  • Werner Tübke – Wandbilder “Fünf Erdteile”, Restaurant des Hotels Astoria Leipzig, 1958
  • Walter Arnold – Relieffelder Openhaus Leipzig, 1953
  • Fritz Kühn – Treppengeländer, Opernhaus Leipzig, 1958
  • Frank Glaser, Bruno Bernitz – Giebelwände, Kaulsdorfer Straße, Berlin-Köpenick, 1960
  • Karl-Heinz Jakob – Wandbild “Mechanisierung der Landwirtschaft”, Industrie- und Handelskammer Karl-Marx-Stadt, 1961
  • Walter Womacka – Mosaikfries “Unser Leben”, Haus des Lehrers, Berlin, 1964
  • Willi Neubert – Emailwandbild “Die Presse als kollektiver Organisator”, Verlagshaus der Zeitung Freiheit, Halle, 1964
  • Max Uhlig – Messehändler, Sonne, Fassadengestaltung, Georgiring, Leipzig, 1963
  • Bernhard Heisig – Wandbild “Chemie – Arbeit -Schönheit”, Konferenzraum des VVB Chemieanlagenbau, Leizig, 1965
  • Joachim Buhlmann, Mosaik “Pflanzen und Tiere”, Milchbar, Hennigsdorf, 1961
  • Hans Mayer-Foret, Gerhard Eichhorn – Raumteiler, Restaurant Hotel “Stadt Leipzig”, 1964
  • Peter Sinkwitz – Altarbild, Kirche des Diakonissenhauses Dresden, 1960/61
  • Walter Bullert – Wandgestaltung “Stahlwerker und Bauer mit Taube”, Kulturhaus Hennigsdorf, 1959
  • Jo Jastram – Bronzetür, Rathaus Greifswald, 1963/64
  • Heinrich Apel – Nordportal, Dom zu Magdeburg, 1961
  • Jürgen von Woyski – Jessener Mahnmahl, 1961/62
  • Hans Vent, Ronald Paris – Wandbild “Entwicklung der Flug- und Autotechnik”, Autoreparaturenwerk Berlin-Pankow, 1961
  • Rolf Schubert – Wandbild “Entwicklung der Verkehrsmittel”, BVG-Omnibushof, Berlin, 1954
  • Lüder Beier – Holzwand, Kulturpalast Dresden, 1969
  • Lothar Zitzmann – Natursteinmosaik “Entfaltung des Lebens”, Phyletisches Museum, Jena, 1961
  • Harry Müller – Plastisch-geometrische Strukturen, Müggelturm, Berlin, 1961
  • Harry Müller – Betonwand, Innenhof Hotel “Deutschland”, Leipzig, 1965
  • Hubert Schiefelbein – Betonfassade “Geometrische Elemente”, Karl-Marx-Stadt, 1967
  • Friedemann Lenk – Trennwände im Kaufhaus “konsument”, Leipzig, 1967
  • Friedemann Lenk – Wandverkleidung im Gästehaus des Ministerrates in Leipzig, 1968/69
  • Karl-Heinz Schamal, Hubert Schiefelbein – Wandgestaltung “Kino International”, Berlin, 1964
  • Eberhard Roßdeutscher – Mahnmal für die Opfer des Faschismus, Bitterfeld, 1965
  • Sigbert Fiegel – Monument “Flamme der Revolution”, Halle, 1967
  • Bernhard Heisig – Wandgestaltung Lobby im Gästehaus des Ministerrates, Leipzig, 1969
  • Bernhard Heisig – Entwurf für die Wandgestaltung über dem Eingangsportal der Universität Leipzig, 1970
  • Kurt Sillack, Rudolf Lipowski – Fassadengestaltung “Dresden grüßt seine Gäste”, Restaurant “Bastei”, Dresden, 1969
  • Leonie Wirth – Brunnenanlage, Dresden, 1970
  • Franz Tippel – Natursteinmosaik “Leningrader Veduten”, Hotel Newa, Dresden, 1970
  • Gerhard Bondzin – Wandbild “Der Weg der roten Fahne”, Kulturpalast Dresden, 1969
  • Rolf Kurth, Frank Ruddigkeit, Klaus Schwabe – Bronzerelief über dem Eingang der Karl-Marx-Universität Leipzig, 1974/76
  • Rolf Kurth – Wandbild “Aufbrauch”, SED-Kreisleitung, Delitzsch, 1976
  • Haus des Berliner Verlages mit Wandfries von Willi Neubert, 1970/73
  • Walter Womacka – Brunnen auf dem Alexanderplatz, Berlin, 1979
  • Eberhard Roßdeutscher, Christoph Wetzel – Reliefwand, Karl-Marx-Stadt
  • Inge Götze – Gobelin “Sozialismus und Frieden”, Hochzeitszimmer im Kulturhaus “Hans Marchwitza”, Potsdam, 1966
  • Ronald Paris – “Lob des Kommunismus”, Wandgestaltung im Haus der Statistik, Berlin, 1969
  • Dietrich Burger – Keramikmosaik “Kind und Musik”, Leipzig, 1973
  • Gerd Nawroth – Wandgestaltung SED-Stadtleitung, Leipzig, 1984
  • Astrid Danegger – Wandgestaltung, Terrakotta, Kulturhaus der LPG “8. Mai”, Neukirchen, 1987
  • Bernd Sikora – Serielles Freiflächensystem unter Einbeziehung von Plastik, Leipzig-Grünau, 1980
  • Reinhard Dietrich – Klinkerfassade “Sonne”, Rostock-Evershagen, 1976/77
  • Ronald Paris – “Von der Verantwortung der Menschen”, Rostock-Evershagen, 1976
  • Erich Enge – Wandbild “Die Idee wird zur materiellen Gewalt wenn sie die Mssen ergreift”, Erfurt-Rieth, 1976
  • Eberhard Heiland, Eckhardt Mater – Brunnen der Völkerfreundschaft, Erfurt-Rieth, 1978
  • Cornelia Buhlmann, Joachim Buhlmann – Familie, Potsdam, 1990
  • Horst Göhler – Wandbild “Tiere der Mark”, Kindergarten, Berlin-Marzahn, 1980
  • Siegfried Schütze, Bernd Martin – Wandbild “Phantastische Welt von morgen”, Berlin-Marzahn, 1980
  • Peter Hoppe – “Mensch im Kreislauf der Natur”, Berlin-Marzahn, 1980
  • Gerhard Lichtenfeld – Brunnen vor der Konzerthalle, Halle, 1974/76
  • Karl-Heinz Adler, Friedrich Kracht, Werner Sauter – Brunnen, Straße der Befreiung, Dresden, 1979
  • Ronald Paris – “Jugend und Sozialismus”, Karl-Marx-Stadt, 1973/80
  • Hajo Rose, Johanna Starke – Wandbild “Freizeit und Erholung”, VEB Drehmaschinenwerk, Leipzig, 1974
  • Michael Morgner – Wandbild “Gießprozess – der arbeitende Mensch in unserer Gesellschaft”, Ambulatorium der Harlaß-Gießerei, Wittgensdorf, 1980
  • Volker Beier, Hans Brockhage, Clauss Dietel, Helmut Humann – Eingangshalle FDGB-Erholungsheim “Am Fichtelberg”, Oberwiesenthal, 1975
  • Rolf Lindemann – Gobelin “Frühling”, Palast der Republik, Lindenrestaurant, 1974/76
  • Willi Sitte, Gestaltungsprojekt Sport- und Kongresshalle Rostock, 1971
  • Arno Mohr, Wandbild “Forscht bis ihr wißt”, Palast der Republik, 1974/76
  • Ronald Paris, Wandbild “Unsere Welt von morgen”, Palast der Republik, Berlin, 1974/76
  • Jo Jastram, Reliefwand “Lob des Kommunismus”, Eingang zur Volkskammer, Palast der Republik, Berlin, 1976
  • Werner Tübke, Wandbild “Arbeiterklasse und Intelligenz”, Rektoratsgebäude der Karl-Marx-Universität Leipzig, 1972/73
  • Lothar Zitzmann, Wettbewerbsentwurf für das Wandbild im Rektoratsgebäude, Karl-Marx-Universität Leipzig, 1970
  • Hartwig Ebersbach – Wandinstallation “Antiimperialistische Solidarität”, Karl-Marx-Universität Leipzig, 1977
  • Heinz-Jürgen Böhme – Giebelentwurf, 1.Leipziger Giebelwettbewerb, 1979
  • Klaus Liebig – Giebelentwurf, 1. Leipziger Giebelwettbewerb, 1979
  • Rudolf Liebscher – Giebelgestaltung Rudolf-Breitscheid-Straße, Leipzig, 2. Leipziger Giebelwettbewerb, 1981
  • Gertraude Pohl – Giebelgestaltung, Oderbruchstraße/Leninallee, Berliner Giebelwettbewerb, 1980/81
  • Inge Eckebrecht – Fassadengestaltung Kindereinrichtung Mageburg-Nord, WG 1, 1979
  • Constanze Neumann-Gast – Bemalung eines Bauwagens, Leipzig, Fockestraße, 1976
  • Andreas Weißgerber – Hofbemalung, Elsbethstraße, Leipzig, 1982
  • Hans-Joachim Riebsch – Wandmalerei “Hallesche Szene”, Halle, 1988
  • Gerhard Thieme – Bauplastik “Die Entwicklung Berlins”, Beton, 1987
  • Jo Doese – Landschaftsplastik “Begegnung”, Anton-Saefkow-Platz, Berlin, 1986/87
  • Roland Rother, Michael Voll – Freiflächengestaltung “Erdgeschichten – Erdschichten”, Eisenhüttenstadt, 1984/86
  • Peter Schulze – Plastisches Objekt, Straße der Befreiung, Riesa, 1982
  • Achim Kühn – Brunnenlandschaft “Mühlrad”, Berlin-Hohenschönhausen, 1983/86
  • Wilfried Fitzenreiter – “Liegende”, Plastikpark Leipzig, 1988
  • Werner Tübke – Panoramagemälde “Frühbürgerliche Revolution in Deutschland”, Bad Frankenhausen, 1976/87
  • Ludwig Engelhardt – “Marx und Engels”, Marx-Engels-Forum, Berlin, 1981/86
  • Werner Stötzer – “Alte Welt”, Marx-Engels-Forum, Berlin, 1981/86
  • Günter Junge, Karl-Heinz Schamal – Gedenkwand und Monument auf dem Demonstrationsplatz, Südfriedhof, Leipzig, 1981/86
  • Arndt Weigand – Säule auf dem Demonstrationsplatz, Südfriedhof Leipzig, 1984/86
  • Reinhard Dietrich – Ehrenmal für die Opfer des Faschismus, Bad Doberan, 1985/86
  • Ronald Paris – Wandbild “Triumph des Lebens”, Foyer des Theater- und Kulturhauses in Schwedt, 1978/82
  • Sighard Gille – Deckenmalerei “Das Lied von der Erde”, Neues Gewandhaus Leipzig, 1979/81
  • Wolfgang Peuker – Wandmalerei “Welttheater”, Neues Gewandhaus, 1979/81
  • Frank Ruddigkeit – Wandbild “Musik und Zeit”, Neues Gewandhaus, Leipzig, 1979/81
  • Reliefwand “Lied des Lebens”, Haus der Kultur, Gera, 1976/81
  • Hermann Glöckner – Stele, Technische Universität Dresden, 1984
  • Rüdiger Reinel – Fensterverglasung eines Mehrzwecksraum, ORWO-Kombinat, Wolfen, 1986
  • Christine Leweke – Textile Wandgestaltung, CENTRUM-Warenhaus, Halle-Neustadt
  • Bruno Groth – Fassadengestaltung, VEB Technische Gebäudeausrüstung, Magdeburg, 1985
  • Achim Kühn – Portal, Katholisches Gemeindezentrum St. Trinitatis, Leipzig, 1982/83
  • Jo Doese – Wandgestaltung “Märkische Steingeschichten”, Berlin, 1985
  • Wolfgang Peuker – Deckenbemalung, Sommersaal, Bose-Haus, Leipzig, 1985
  • Dieter Schmidt – Giebelbemalung, Rötha, 1985
  • Jutta Hellgrewe, Bernd Sikora – Giebelbemalung “Katze”, Leipzig, 1988
  • Constanze Neumann-Gast, Hannelore Reinhardt-Fischer – Wandmalerei, Süßwarenkombinat Delitzsch, 1983/84
  • Waldo Dörsch – “Diana Brunnen”, Suhl, 1983/84
  • Reinhard Dietrich – Giebelfigur am Fünfgiebelhaus, Rostock, 1986
  • Peter Willmaser – Hauszeichen, Schuhgasse, Suhl, 1985
  • Hans-Henrik Grimmling, Volker Baumgart – Wandgestaltung VEB Chemieanlagenbau Grimma, Leipzig, 198
  • Jost A. Braun – Trafohausbemaluung, Leipzig-Grünau, 1981/82
  • Thomas Müller – Trafohausbemalung, Leipzig-Grünau, 1981/82
  • Frieder Heinze – Trafohausbemalung, Leipzig-Grünau, 1981/82
  • Peter Makolies – Doppelrief “Antiker und zeitgenössischer Mädchenkopf, Gera, 1983
  • Andrea Köhler – Orientierungsystem in einer Kindereinrichtung in Berlin-Marzahn, 1979
  • Jutta Hellgreve, Bernd Sikora – Orientierungssystem eines Kindergartens, Leipzig, Grünau, 1980
  • Gertaude Pohl, Norbert Pohl – Gestaltung Kinderheim “Rosa Luxemburg”, Erfurt, 1982
  • Bernd Sikora – Geschoßbezifferung, Sprachheilschule “Käthe Kollwitz”, Leipzig, 1981/82
  • Jutta Hellgrewe, Bernd Sikora – Etagencharakterisierung, Kindergarten in Weida, 1984
  • Arnd Schultheiß – Wandgestaltung, Sprachheilschule “Käthe Kollwitz”, Leipzig, 1981/82
  • Dieter Schmidt -Spielwand “Urwald”, Sprachheilschule “Käthe Kollwitz”, Leipzig, 1981/82
  • Jutta Hellgrewe – Spielwand “Zirkus”, Kindereinrichtung, Torgau, 1984
  • Ernst Merker – Gestaltung Atrium der Sprachheilschule “Käthe Kollwitz”, Leipzig, 1981/82
  • Angela Hampel, Andreas Dress – Hausbemalung, Kindergarten, Schnorrstraße, Dresden, 1984
  • Matthias Grimm, Klaus Völker – Giebel und Hofgestaltung, Polytechnische Oberschule, Laucha/Nebra, 1986
  • Rudolf Sitte – Wandgestaltung Bibliothek/Mensagebäude, Ingenieurhochschule Mittweida, 1985
  • Frank Ruddigkeit, Peter Schnürpel, Klaus Schwabe – Gestaltung in der Mensa der DHfK, Leipzig, 1975/76
  • Heinz-Jürgen Böhme, Horst Gröschel, Detlef Lieffertz  – Gestaltung Jugendclub “metrum”, Leipzig-Grünau, 1984/85
  • Horst Gröschel, Detlef Lieffertz – Gestaltung Jugendclub “Freundschaft”, Gera-Lusan, 1985
  • Clemens Gröszer, Harald Schulze – Wandbild “Sommertraum”, LPG Marxwalde, 1988
  • Heinz-Jürgen Böhme, Manfred Küster, Detlef Lieffertz – Gestaltung academixer-Keller, Leipzig, 1981/83
  • Andre Böhme, Olaf Bote – Fassadengestaltung Jugendklub “Rabet”, Leipzig, 1988
  • Angela Hampel, Steffen Fischer – Gestaltung Jugendklub “Marschnerstraße”, Dresden, 1982
  • Kosta Sissis – Wandbild “Spanien 1936”, FDJ-Jugendhochschule Wilhelm Pieck, Bogensee, 1986
  • Stefan Th. Wagner – Gipsrelief “Kommunikation”, Leipzig, 1985

(Berlin, 17.02.2018)

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Fünf Kinder in Mitte. Eine Notiz zu Evelyn Hartnick-Geismeier.

Ein Neuzugang in der Bibliothek: Die Weihnachtstage des 2017 brachten einen Band über die Bildhauerin und unter Numismatikerin auch als Medaillenschöpferin Evelyn Hartnick-Geismeier (vormals Evelyn Nitzsche-Hartnick, vormals Evelyn Hartnick) auf den Schreibtisch. (Die Bildhauerin Evelyn Hartnick-Geismeier. Leipzig: Passage-Verlag, 2014) Wenngleich mehr oder weniger zufällig, kam er doch genau im richtig Augenblick. Denn beim Sichten älterer Fotografien fielen einige Aufnahmen aus einem der unsortierten Sammelordner, die ich am Neujahrstag des Jahres 2014 irgendwann am Vormittag auf dem Weg zum S-Bahnhof Hackeschen Markt anfertigte. Frisch mit Böllerresten besprengelt stand im menschenleeren Monbijoupark nahe den Basketballplätzen in noch dichter Nach-Silvester-Luft eine Plastik von Kindern unter einem Schirm, die es dort noch nicht lange gab und auch nicht mehr geben sollte.

Detail der Skulptur Kinder unterm Regenschirm im Berliner Monbijoupark
Detail der Skulptur Kinder unterm Regenschirm im Berliner Monbijoupark. Aufnahme: 01. Januar 2014

Ein paar Monate später war sie wieder verschwunden und damit irgendwie auch die Erinnerung an die Bilder und der Wunsch, mehr über die Skulptur zu erfahren. Beim Sichten des alten Ordners, motiviert durch einen Hardwareschaden und den Totalverlust aller Aufnahmen aus dem zweiten Halbjahr 2017, trudelten – leider nur – drei Detailaufnahmen zurück. Mit ihnen die allerdings auch die Neugier. Mit vier Jahre Verzögerung und eine kurzen Recherche fand sich ein Artikel aus der Berliner Woche, der Informationen zur Schöpferin – eben Evelyn Hartnick-Geismeier – und zum Aufenthalt der Plastik in Berlin-Mitte enthielt. Ursprünglich in den 1980ern für die Musikschule Mitte angefertigt, kam es aufgrund der Entwicklungen um 1989 nicht mehr zu ihrerAufstellung am vorgesehenen Standort. Erst im September 2013 fanden sie in die Öffentlichkeit des Monbijouparks in Sichtachse zum Storchenpaar von Hans-Detlef Hennig, ein schöne Verbindung, wie sich noch zeigen wird. Da aber Kunst im öffentlichen Raum auch immer in der Möglichkeit einer Zerstörung steht und offenbar gerade zartere Plastiken zur halbstarken Auseinandersetzung mit dem Material einladen, war die Gegenwart der bronzenen Kinder mit ihrem Schirm nur ein kurzes Intermezzo im schönen Park, wohingegen die unweit des Standorts platzierte und deutlich robustere Plastik Die Erde von Ingeborg Hunzinger bislang jedenfalls allen Angriffen tapfer trotzte. Der gelegentliche Namenszug zum Beispiel auf der Hüfte als minimalinvasive Geltungsfreude junger Freunde öffentlicher Handschriftenproben mag vernachlässigt werden.

Der Band zur Evelyn Hartnick-Geismeier aus dem Jahr 2014 kennt das Umsetzungs- und Beschädigungsdrama freilich noch nicht. In seinem Bildteil, in dem das bildnerische Werk, also die Reliefs, Skulpturen und schließlich auch Medaillen der Künstlerin dokumentiert werden, wird noch auf den Standort im Monbijoupark verwiesen, mit einer genauen Titelangabe – Fünfkindergruppe (Tröpfelbrunnen) und Datierung – 1986/86, gegossen 1989. (Seite 174 ff)

Der Textteil dieser bisher einzigen Monographie über die Bildhauerin berichtet dagegen über anderes. Er umfasst nämlich eine große Zahl von Briefauszügen, die die Kunststudentin Evelyn Hartnick zwischen 1949 und 1951 von Leipzig nach Hamburg an den Grafiker Günter Nitzsche schrieb, der ihr erster Mann werden sollte und dafür eine gut bezahlte Stellung in der westdeutschen Werbewirtschaft aufgab und in die DDR zurückzog. Wertvoll und lesenswert sind die Briefe vor allem als Zeitdokumente und Zeugnisse des rat- und rastlosen Herumtastens einer sich selbst suchenden DDR-Kunstpolitik, das sich naturgemäß besonders drastisch auf die Ausbildung in diesem Fall an der Kunstgewerbeschule und der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig auswirkte. Dass die junge Evelyn Hartnick mit einer gewissen Arglosigkeit in diese Hochphase der Formalismusdebatten hineinstolperte und die Reibereien zwischen Akteuren wie Max Schwimmer und Kurt Magritz aus der Perspektive einer siebzehn- bis zwanzigjährigen Studentin notiert werden, ist heute insofern ein Glücksfall, weil sich dem Leser auf diesem Weg eine unbefangenere Innenperspektive eröffnet, die die offizielle kunstgeschichtlichen und kunstsoziologischen Annäherungen um die Debatten dieser Zeit durchaus erkenntnisfördernd ergänzt. So versteht man, was man freilich schon immer ahnte. Beispielsweise, dass der offenbar auch sehr charismatische Max Schwimmer oder auch Walter Arnold deutlich ernster genommen wurden als die Hochschuldirektoren Kurt Massloff und Magritz, wobei letzterer spätestens seit dem Kursieren seiner frühen Gedichte unter den Studierenden offenbar kaum noch Überzeugungskraft besaß. Jedenfalls gilt das für Evelyn Hartnick. (vgl. Briefauszug vom 21.06.1951, im Buch auf Seite 115) Sie bestätigt auch, wie sehr beispielsweise das Werk Ernst Barlachs rein intuitiv nachhaltiger und prägender auf die angehenden Künstler*innen der DDR wirkte, als die Selbstüberhöhungsästhetik des offiziell propagierten und forcierten Stils:.

“Mich wundert es, dass man Barlach in der DDR überhaupt noch zulässt.” (Briefauszug vom 22.06.1950, im Buch auf Seite 57)

“Massloff eröffnete […] das Sommersemester mit einem Superreferat: “Der Kampf gegen den Formalismus in der Kunst für eine fortschrittliche deutsche Kultur und der Kampf um den im höchsten Grade gefährdeten Frieden mit dem Mittel, das [sic!] die Klassik überflügelnden sozialistischen Realismus.” (Brief vom 09.04.1951, im Buch auf Seite 105)

“Er [Walter Arnold] äußerte Bedenken, eines Tages seine Plastiken in der Buntmetallsammlung zu finden.” (ebd.)

Abgesehen von den ideologischen Grabenkämpfen, in denen die Kunststudent*innen oft kaum mehr als Spielbälle und Versuchsteilnehmer*innen sein konnten, erzählen die Briefe vom Bemühen, sich vor allem im Alltag, der neben der Kunst einiges an Mangel bereithielt, zurechtzufinden. So erfährt man aus den Briefen auch Einiges zum Leben und zur Lebensqualität der sehr frühen DDR.

“[I]st es nicht zu Lachen, dass man sein Geld zählen muss, wann man sich wieder mal eine Briefmarke kaufen kann. Das bedeutet, wann man mal einen Brief schreiben kann! Alles, was man sich mitteilen möchte oder müsste, ist also vom Geld abhängig! Nein, es ist nicht zum Lachen, bitter, bitter weinen möchte man. […] Aber vielleicht wird es einmal besser.” (Briefauszug, 23.03.1949, im Buch auf Seite 18)

Ein wenig besser wurde es dann schon im Verlauf der zwei Jahre. Zudem war man ja jung und die Welt trotz allem spannend, anregend, intensiv erfahrbar. Mit ein bisschen Glück, für das in der DDR das Zentralwort “Beziehungen” gängig war, gelangte Evelyn Hartnick 1951 an die Kunsthochschule Weißensee, um dort bei Heinrich Drake zu studieren. Max Schwimmer persönlich hatte sich nach der ersten Ablehnung für seine Studentin eingesetzt und dem VBK-Verbandssekretär Arno Krewerth ein paar nette Zeilen zukommen lassen, die Evelyn Hartnick in ihrem Brief vom 27.06.1951 zitiert. (vgl. S 118) Berlin traf sie als der Moloch, als der die Stadt berühmt ist:

“Aber dass Berlin so elend ist, dass hätte ich nicht gedacht. Wenn ich hier Kinder hätte, ich würde sterben vor Gram – kein Garten, keine frische Luft, nur Dunst, – der Atem der Millionenstadt und Lärm und Hast und Staub…” (Brief vom 10.09.1951, im Buch S. 122f.)

Aber Berlin waren eben auch die Kurse bei Arno Mohr, Freundschaft mit Arno Fischer und Mart Stam als Hochschuldirektor. Und fünf Jahre Bildhauerei-Ausbildung bei Heinrich Drake in einer Klasse auch heute noch leuchtender Namen:

“Wie schön auch, dass so ein guter Geist unter uns Drake-Schülern herrscht. Fritz (Ritter) kommt aus Polen, aus Lodz. Er wird viel gehänselt, denn er tut immer furchtbar schüchtern, besonders wenn es um Frauen geht . […] Ich weiß nicht recht – entweder ist er gerissen oder er schauspielert nur, oder er besitzt eine amüsante Naivität, mit der er verblüffende Gedanken hervorbringt, diese aber nicht konsequent, das heißt nie im großen Zusammenhang verfolgt.
Karl (Mertens) ist schon über vierzig und hat fast schon erwachsene Kinder. Er ist ganz ruhig, spricht kaum ein Wort, arbeitet fleißig und ist ein gütiger Mensche.
Bachmann (Eberhard) ist ein schöner schneidiger Mann mit Herz, Gemüt und Witz. […] Sein im Krieg verletzter Arm behindert ihn bei der Arbeit nur wenig, mehr stört es ihn, dass man die Verstümmelung sieht. Er kommt aus Meissen, hat Porzellanmodelleur gelernt. Deshalb sind seine Figuren so glatt. […]
Arno (Fischer) ist ein Mann mit ungemein klarem Geistesweg. Er liest und arbeitet und setzt sich intensiv mit wissenschaftlichen Problemen auseinander. Er lebt, um seinen Geist zu bilden und größer zu werden als Mensch, um sich und anderen zu nutzen. […]
Und dann ist da noch (Hänschen) (Hans Hennig), der fast nie etwas spricht, der seine Gefühle nicht gut in Worte formulieren kann, doch sein ganzes Sein in seine Arbeit hineinlegt, der kein “Mittelmäßiger” bleiben will, der zugrunde zu gehen fürchtet, wenn er seine Grenzen erreicht haben wird.” (Brief vom 21.10.1951, im Buch auf S. 132f.)

Dazu ist ein Bild der Bildhauerklasse abgedruckt – sechs Männer, bis auf Karl Mertens jung und fesch, zwei ausnehmend attraktive Frauen – im Weißenseer Atelier zwischen Kleinplastiken und Büsten. Zentral in Schwarz mit verschränkten Armen steht Arno Fischer, der die Szene per Selbstauslöser aufnahm und vermutlich komponiert hat. Zumindest liest der Betrachter aus dem Jahr 2018 die Vorahnung dessen ins Bild, was da kommen wird, nämlich eine Karriere als eine der profiliertesten Persönlichkeiten der DDR-Fotografie. In einer Nachbemerkung ergänzt Evelyn Hartnick-Geismeier nebenbei noch drei weitere Zentralfiguren der Bildhauerei der DDR:

“Seit 1952 hatten sich auch Jo Jastram und Ludwig Engelhardt dem Kern unserer Drake-Studiengemeinschaft zugesellt. Gleichzeitig mit diesen beiden und außerdem mit Jürgen von Woyskie [sic!] erwarb ich ich später mein Diplom.” (S.134)

Erstaunlich und womöglich ein subjektives Versäumnis ist, dass aus dieser Gruppe einige Namen (Jo Jastram, Ludwig Engelhardt, Hans-Detlef Hennig, natürlich aber anders Arno Fischer)  sofort aufblitzen, wenn man die Kunst der DDR denkt, auch Jürgen von Woyski, mit Abstrichen vielleicht Eberhard Bachmann, Karl Mertens und Fritz Ritter. Aber auch bei diesen kann man sofort ein paar Werke und Werkstandorte benennen. Für Evelyn Hartnick-Geismeier brauchte es dagegen das Buch, aus dem deutlich wird, dass sie ebenfalls gar nicht wenige Arbeiten im öffentlichen Raum vor allem in Berlin hinterlassen hat. Neben der Kindergruppe gibt bzw. gab es zwei eindrucksvolle Reliefarbeiten – der Otto-Nagel-Zyklus für das Kulturhaus des VEB Bergmann-Borsig in Pankow und die Arbeit “Altes Berlin und neues Berlin”, das traurigerweise 2016 gestohlen wurde. Damit teilt es das Schicksal von zwei Löwenfiguren, die die Bildhauerin für den Löwenbrunnen auf dem Karl-Holtz-Platz in Berlin-Marzahn geschaffen hatte. Ach ja, “äußerte Bedenken, eines Tages seine Plastiken in der Buntmetallsammlung zu finden.” Ein Fall, der für viel zu viele Plastiken in den Jahr nach 1989 tatsächlich eintrat, wobei sich besonders die wenig zimperliche Supermarktkette Rewe in Berlin irgendwie generell für die baubedingte Kunstzerstörung zu engagieren scheint.

Detail Plastik "Kinder unterm Schirm" von Evelyn Hartnick-Geismeier in Berlin
Detail Plastik “Kinder unterm Schirm” von Evelyn Hartnick-Geismeier in Berlin am Standort Marion-Gräfin-Dönhoff-Platz in Berlin-Mitte. Aufnahme: 04. Januar 2018

Die fünf Kinder unterm Regenschirm immerhin sind noch da und nach der Restaurierung und Umsetzung offenbar an einem sicheren Standort. Der gestrige Besuch bei der Plastik, an einem durchgängig finsteren Januartag mit einer Luft, die dank des Verkehrs der nahen Leipziger Straße an den Dunst Berlins erinnern könnte, den Evelyn Hartnick 1951 beschrieb, zeigte vielleicht etwas missmutig dreinschauende aber völlig unversehrte Bronzekindergesichter. Der angrenzende Spielplatz lag matschig und erwartungsgemäß ohne Nutzung in der Stadtlandschaft. Ein paar Menschen, sichtbar im Rentenalter, führten jedoch Hunde um das Hochhaus, blieben kurz stehen und betrachteten skeptisch die eigenartige Person im Parka, die sanft über das Material strich und ein paar Nahaufnahmen der Skulptur machte. Was ein gutes Zeichen ist. An einem helleren Tag des Jahres 2018 werden sie vermutlich etwas Ähnliches noch einmal beobachten können. Vorerst muss es aber reichen, zu berichten, dass die Plastik der Kinder unterm Schirm ohne Böllerschäden ins Jahr 2018 gelangt ist. Evelyn Hartnick-Geismeier, die so engagiert für die öffentliche Erlebbarkeit ihrer Arbeit kämpfte, würde sich freuen. Sie starb am 24. August letzten Jahres in Berlin.

(Ben Kaden, Berlin, 05.01.2018)

Notiz zu Klaus Schwabe (1939-2017)

Klaus Schwabe / Zwei Arbeiten
Zwei Arbeiten von Klaus Schwabe – eine in Magdeburg, eine in Leipzig

Eine Traueranzeige, nur halb in der Zeitung, der Bildhauer Klaus Schwabe, geboren im Tal der Lichte, den so gut benannten Nebenfluss der Schwarza, in Thüringen, Unterweißbach im September 1939, wurde alt genug, dass die Meldung seines Todes auch im virtuellen Trauerportal der Leipziger Volkszeitung sichtbar werden konnte. “‘Junges Paar’ nannte Klaus Schwabe seine Arbeit” – schrieb die Berliner Zeitung 1969, als er gerade 30 war und seine Arbeit vor dem Alten Museum in Berlin fotografiert werden konnte, dank einer Ausstellung “Architektur der Bildenden Kunst”, die auch Gerhard Bondzins “Weg der Roten Fahne” in die Hauptstadt gebracht hatte, bevor dieser Weg nach Dresden zum Kulturpalast führte. Dresden war irgendwie auch Klaus Schwabes Stadt, fünf Jahre, 1960-1965, Studienort. Seine Arbeit “Dresden – 13. Februar 1945” entstand 20 Jahre später. Sie schaffte es als Exponat der X. Kunstausstellung ins Neue Deutschland, aufgenommen mit Erich Honecker, von wem ist nicht überliefert. Man könnte mehr finden im Archiv. Er war eine der großen Figuren, auch im Verband Bildender Künstler. Er war eine der großen Figuren der Bildhauerei in der DDR. Es bleibt Vieles in der Gegenwart. Dresden – 13. Februar 1945 bleibt ein Zentralwerk im Skulpturenpark in Magdeburg.  “‘JUNGES PAAR’ nennt Klaus Schwabe aus Leipzig seine Plastik” schrieb die NEUE ZEIT vom 07. November 1969 unter ihre Abbildung, sehr schön fotografiert vom so talentierten, so jung verstorbenen Uwe Steinberg. Und: “Sie steht auf dem Freigelände der Ausstellung „Architektur und Bildende Kunst“ am Marx-Engels-Platz” Klaus Schwabes junges Paar sitzt heute in Leipzig. Auch unweit eines Museums. Und bleibt, so ganz anders, eine Zentralplastik für viele Menschen in Leipzig.

(Ben Kaden, Berlin, 22.11.2017)

Willkommen in der Schwierigkeit: Die Große Neeberger Figur. Ein Lektüre.

“Obwohl Wieland Förster seine Arbeiten nie unter politischen Aspekten formte, kann gerade die “Große Neeberger” wie eine Kritik am kapitalistischen Frauenbild gelesen werden, das den Frauen mittels Mode und Feminismus eine fremdbestimmte Körperlichkeit aufzwingt.”

Schreibt Monika Mlekusch in ihrem Werkverzeichnis zu Wieland Försters Plastiken und Skulpturen. (Wien, Berlin: 2012, S. 33) Und auch, dass er eine sich streckende Frau am Strand von Neeberg / Usedom als Auslöser für seine Säule der Weiblichkeit angibt. Man muss diese Figur, “Hauptwerk der europäischen Kunst und eine Ikone der Bildhauerei der DDR” (so der Klappentext des im 2015 erschienenen Sammelbands Figur tut weh: Positionen um Wieland Försters Große Neeberger Figur. Bremen: Gerhard-Marcks-Haus, 2015) sicher in ihrem Zeitkontext (frühe 1970er Jahre) verorten, wie übrigens generell viele Arbeiten der figürlichen Bildhauerei dieser Zeit und sowohl in Ostdeutschland wie auch in Westdeutschland, um zu verstehen, wieso Eros (und manchmal auch Sexus genannt) zu einem Fixpunkt ästhetischer Darstellung wurden. Dies betraf sowohl den männlichen wie auch den weiblichen Blick, wobei auch die DDR-Kunstgeschichte zeigt, dass der männliche die dominante Perspektive war.

Besonders auffällig wird dies, wenn man die weiblichen Akte des DDR-Bildhauerschaffens in Ballung sieht, wie im Magdeburger Skulpturenpark, in dem sich auch Wieland Försters Strandfigur, früher auch mit dem Zusatztitel “Hemdanziehende” versehen, reckt, gesichtslos und zugleich voll entblößt, gigantisch als überwältigende Weiblichkeit und zugleich wehrlos, da wie gefesselt. Dass der Zusatz wegfiel, tut der Arbeit keinen Gefallen, weil doch nicht deutlich wird, dass hier ein Akt der Ver- und nicht der Enthüllung stattfindet, bei dem der darstellten Figur das Hemd als Fessel über den Kopf gezogen wurde, wie es bildliche Darstellungen gewalttätiger Besitznahmen mittlerweile zur genüge in den Bilderkanon der Kulturgeschichte transportierten.

Natürlich ist auszuschließen, dass solche Gewaltphantasie ausschlaggebend für die Formgebung war. Es ist fast ein Unglück dieser Arbeit, dass sich die Positionierung des Hemdes bei der Betrachtung heute in eine Ambivalenz führt, die diesen Eindruck eben zulässt. Aber gerade wenn man sich die Figur gelegt vorstellt, ruft die Haltung gerade in ihrer Steifheit eine schlimmstmögliche Assoziation vor – die eines Opfers.

Zugleich widerspricht die Figur bei längerer Betrachtung diesem möglichen Subtext. Sie wirkt dann fast primitiv sexualisierend, denn die Körperform mit den straffen Brüsten, der schmalen Taille und dem breiten Becken betont und überzeichnet nichts anderes als simple Idealbilder des athletischen jungen Frauenkörpers, auch wenn Wieland Förster diese in eine Monumentalität verzerrt. Dieser weibliche Körper ist nicht der eines Opfers, auch nicht der eines Menschen, sondern ein Fetisch, ein Objekt nicht einmal der Begierde selbst. Mehr einer Faszination. Man kann es einkreisen, aber niemals besitzen. Es ist, wie man so schön sagt, Bigger than Life. Die Dimensionierung beschränkt diese Plastik auf den Blick, reduziert den Betrachter wirklich zum Betrachter und mehr noch zum Voyeur.

Drei Jahre investierte der Werkschöpfer in diese Arbeit:

“Ganz wichtig an dieser Figur war für mich die absolute Ehrlichkeit der Form. Verstehen Sie mich richtig: bei dieser Figur ist jedes Detail bis zum letzten ausgesprochen, Anfang und Ende der Form, Höhe und Spannung und alles. Es war ein Prozess der Bestandsaufnahme und handwerklichen Wahrhaftigkeit.” (Quelle)

In der Tat ist die Arbeit beeindruckend und reduziert beispielsweise seine Große Badende aus dem Jahr 1971 fast auf eine Vorstudie, ein frühes, unbeschwerteres Strecken, dass über das Neeberger Ufer fixiert und in die Vertikale überdehnt wurde. Und zweifellos ist die Neeberger Figur radikaler als ein Großteil des bildhauerischen Schaffens in der DDR vor den 1970er Jahren, wie die Skulpturensammlung in Magdeburg anschaulich vor Augen führt. Wieland Försters Werk markiert eine der eindrucksvollsten Facetten der DDR-Kunst. Dieser Kontext macht die Große Neeberger Figur auch unbestreitbar zum Meisterwerk.

Große Neeberger Figur / Wieland Förster
Große Neeberger Figur / Wieland Förster (Foto: Ben Kaden)

Für die Betrachter des Jahres 2017 gibt es zugleich ein notwendiges Aber. Vielleicht ist es ein gutes Zeichen, wenn Kunst, wenn sie auch nach 40+x Jahren noch heftige Reibung hervorrufen kann. In jedem Fall ist die Aussage der Figur heute trotz aller kunst- und zeitgeschichtlichen Bedeutsamkeit schwierig, wie angedeutet ambivalent, eigentlich auch fragwürdig. Das mag zunächst einfach daran liegen, dass Wieland Försters (und nicht nur seines) Grundthema “Liebe und Tod” mit dieser Pathoswucht nach Postmoderne und Popkultur als Leitkultur in dieser Formensprache heute wie nahezu jede Form der “großen Geste” nicht wenig überzogen wirkt. Diese Art von Werkschöpfung wirkt heute überaltert.

Gewichtiger ist jedoch, dass die Figur in der Gegenwart andere Lesarten forciert, siehe oben. Addiert man diese beiden Aspekte – Alter und Ambivalenz – ergibt sich unweigerlich der Eindruck, dass sie in gewisser Hinsicht weniger Avantgarde ist als oft behauptet. Genau genommen ist auch möglich, es als zugegeben hoch ambitioniertes und raffiniertes, unterbewusstes Zeugnis für das trotz allem sehr eingegrenzte Frauenbild der aktbesessenen DDR zu lesen, einer abgesehen vom FKK-Strand und eigentlich auch da extrem reglementierten Gesellschaft, zu deren Errungenschaften an Freizügigkeit die Fotoseiten des Magazin und die Eulenspiegel-Funzel gehörten, deren Bildproduzenten wie Günter Rössler heute fast noch mehr gefeiert werden, als damals.

Die Frau oder besser ihr Körper, solange er die Natürlichkeit genannten Idealvorstellungen aufwies, verhandelte wie über die Jahrhunderte hinweg man als Betrachtungsmaterial. Gern setzte man auch schon bei frühpubertären Mädchenkörpern an, um den männlichen Anspruch auf weibliche Reinheit in ein kunstfreiheitliches Kostüm zu entkleiden.

Letztlich fällt es schwer, Wieland Försters Neeberger oder auch Werner Stötzers im Skulpturenpark (Werra und Saale) gleich nebenan befindliche Flussdarstellung mittels weit offener Frauenschenkel in Bronze nicht zwangsläufig in dieser Linie zu sehen. Sabina Grzimeks grobe Mütter-Plastiken, die auf der anderen Seite des Parks zu finden sind, erscheinen immerhin als Korrektiv und Kontrapunkt zu dieser Begehrensästhetik des ewig Weiblichen, die ganz traditionell verkennt, dass diese die Kunstgeschichte durchziehende Männersehnsucht traditionell zu Lasten individueller Frauen und Mädchen immer neu in Manifestationen gegossen wurde.

Bei seiner Neeberger Schöpfung spricht Wieland Förster vom “Mahnmal des Unzerstörbaren” und der “Kraft des Leibes” (vgl. Mlekusch) und zwar um den Preis einer völligen Deindividualisierung der Frau (kein Gesicht), ihrer Entmachtung (das Hemd als Fessel) und der pornografischen Bildmustern folgenden Reduktion ihrer Existenz auf ihre Geschlechtsmerkmale.

Das kann man machen und es ist Kunst, vielleicht sogar überragende. Aber ist auch eine, die unvermeidlich viel über das Frauenbild der DDR und vieler seiner Leitkünstler aussagt. Je mehr man sich anhand von Kulturzeugen mit der Geschichte des Landes befasst, desto deutlicher wird, wie fragwürdig das Emanzipationsnarrativ der DDR-Gesellschaft war. Die Kunstgeschichte der DDR ist da keine Ausnahme. Möglicherweise ließ der Zeithorizont auch nichts anderes zu und sicher wäre es ungerecht, heute einen moralische Anspruch zurück zu projizieren.

In der Gegenwartsbetrachtung verliert die Figur genau jedoch ihre auratische Kraft, wenn man sich vor Augen führt, dass hier eine Strandbeobachtung durch den männlichen Blick (buchstäblich) in eine monumentale Weiblichkeitsfantasie fand, die vor allem verdeutlicht, wie schwierig es auch für die ambitioniersten und begabtesten Vertreter der DDR-Kunst offenbar blieb, über das Formale hinaus tradierte Kategorien zu verlassen. Das ist keinesfalls als Vorwurf gemeint, sondern als eher ernüchterte Feststellung.

Bei späteren Arbeiten Wieland Försters, zum Beispiel denen zu Kleist, entsteht dagegen dieser Eindruck der wirklichen Aktualisierung und des Neuen im Alten. Bei der Großen Neeberger Figur erfühlt man dagegen die Spur ihrer Zeit deutlich. Eine, in der positiven Lesart, sich räkelnde (negativ wäre: erstarrte) nackte und zugleich entblößte, zur Demütigung freigestellte Frauenfigur bestätigt leider nur, was man seit Jahrhunderten in aller Variation als Hauptmuster patriarchalischer Gesellschaften kennt. Dies dann verbrämt als Kapitalismuskritik verkaufen zu wollen, entwertet sie zusätzlich. Es ist entweder eine schlichte Bestätigung des Offensichtlichen. Oder der bekannte postmoderne Winkelzug, genau das, was man eigentlich darstellt (Die Fremdbestimmung des Weiblichen durch den Blick und hier die Hände eines Mannes), als “nur ironisch” oder Schock-Kritik legitimieren zu wollen. Genauso wie der Titelzusatz “Hemdanziehende” auch nur die Rolle eines Feigenblatts übernehmen kann.

(Ben Kaden, Berlin, 30.04.2017)

Die Umarmung. / 07.08.2016

Skulptur - Jürgen Raue - Das Paar, 1982
Skulptur – Jürgen Raue – Das Paar, 1982

Noch in Laufweite zum Wandbild an der Schwimmhalle hat an der Treskowallee die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin einen ihrer zwei Standorte. In den Zeitfenstern der Winter- und Sommersemester mutmaßlich gut bevölkert, nehmen sommerliche Sonntage fast alle Menschen vom Campus. Ein junger Mann sitzt auf zu Füßen der Weltjugend, die Senta Baldamus für die Grünanlage des Römerwegs modellierte, und telefoniert in einer Sprache, die man in aller linguistischen Ahnungslosigkeit für Bangla bhasha zu halten geneigt ist. Eine junge Frau, bei der man einen ostasiatischen Hintergrund vermuten mag, trägt zwei Einkaufstaschen an dem den Campus auf dieser Seite flankierenden Plattenbau vorbei. Der Asia Imbiss bittet für eine kurzzeitige Unterbrechung seines Betriebs um Entschuldigung und informiert, freilich ohne Angabe einer Bezugszeit, dass in einer Stunde einer Öffnung geplant ist. Bis dahin kann man die Drachen beschauen, die irgendwann in Grau unter den Tresen gespachtelt wurden.

Oder man geht in den Schatten des Campus, am Pförtner vorüber, der skeptisch schaut und freundlich zurück grüßt. Der stille Garten der Hochschule hat Hecken und darin Amseln und Kaninchen. Es gibt Bänke im Schatten. Es gibt stattliche Bäume unter denen eine Skulptur von René Graetz an den griechischen Kommunisten und Widerstandskämpfer Nikos Belogiannis – Ο άνθρωπος με το γαρύφαλλο – erinnert. Picasso hatte ihn lächelnd gezeichnet, die Nelke wie betrachtend. Die Arbeit Graetz’ noch aus dem Jahr der Hinrichtung von Nikos Belogiannis zeigt ihn als jungen Mann, zwar in Fesseln aber denkbar standhaft, den Blick herausfordernd in etwa in Richtung Cäsarstraße werfend. Hin und wieder bekommt die Bronzefigur noch Blumen, die neben der linken Faust trocknen. Etwas entfernt auf einem Rasenstück sammelt sich eine bronzene Luchsfamilie und beinahe scheint es, als wäre sie eine Tramstation zu spät ausgestiegen und wünschte sich eigentlich im Tierpark zu stehen. Vater Luchs observiert aufmerksam den Campus. Mutter Luchs beobachtet die Rückseite des Pförtnerhäuschens. Die beiden Jungtiere beobachten sich, versunken im Spiel. Geformt hat die Arbeit der Berliner und später Nordhausener Künstler Lothar Rechtacek, der eine Neigung zur Tierplastik und dem Meister der solchen, August Gaul, hatte.

Vier Jahre nach der Luchsfamilie entstand schließlich die Arbeit Paar des Bildhauers Jürgen Raue. Ein anderes seiner Paare dürfte deutlich bekannter sein, nämlich das junge aus dem Luchsjahr 1978, das sich im Fennpfuhlpark in einer buchstäblich packenden Beziehung zeigt, mit einem männlichen Griff nach dem weiblichen Handgelenk, der heute mindestens einen Tick zu besitzergreifend wirkt, um als leichtes, lebensfrohes Miteinander durchzugehen. Dreht sich diese Bronze noch in Richtung überscharfen Variation eines sozialistischen FKK-Ideals, nicht unähnlich, wenngleich etwas mächtiger, der gefälligen und sorgenfreien Plastiken zur Alltagsbegleitung, die in den Grünanlagen der DDR in Legion verteilt wurden, markiert das Paar vom Römerweg zugleich eine stilistische Vorwärts- als auch Rückwärtsbewegung. Zwei Torsi mit Kopf verweisen auf eine antike Formensprache und erinnern eher an Wieland Förster als an, vielleicht, die näher stehende Senta Baldamus.

Und plötzlich findet sich eine tiefere Poesie im Werk, gegen die der Ausdrucksgehalt des Fennpfuhlparks tatsächlich wie ein Brigadegedicht aus dem Zirkel schreibender Arbeiter wirkt. Der Stein ist keine Umarmung, wohl aber der Versuch einer solchen. Die Unterleiber berühren sich nur an den Außenseiten der Schenkel. Sie beharren im Nebeneinander. Anders die Gesichter. Anders die Oberkörper. Sie berühren sich nicht nur, sie halten einander, schützen einander, so gut es eben geht, sind letztlich ein Wesen mit zwei Rücken, aber einer deutlich wenig blank gewetzten Erotik, als sie die Bronze-Zweisamkeit vom Pfuhl aufdrängt. Auch hier und offener: Gewalt. Aber nicht in Aktion, also im Greifen und Zerren, sondern als Spur. Klinisch präzise Schnitte. Amputationen. Von Außen zugefügt. Das Paar wurde zugerichtet, zurecht geschnitten. Es kann nicht gehen, nicht greifen. Was ihm bleibt: das Aneinanderlegen, -pressen der Brust, der Herzseiten. Das Verschränken der Münder, der Gesichter, nicht als leidenschaftliches Spiel sondern als ein Bergen und Schützen. Eine Flucht zueinander, ineinander. In verzweifelter Lage. Die Wirkung eines sich mit allem Mitteln abschirmenden, sich in sich retten wollenden Einander-Seins wäre vermutlich an einem stärker bevölkerten Ort als dieser schattigen Idylle unter Meisenvögeln und Sperlingen eindrücklicher. Andererseits ist es eine Arbeit in Sandstein und damit erfahrungsgemäß deutlich stärker für Witterung und Angriffe unsteter Menschen anfällig. Es ist faszinierend, wie man, wenn man sich mit zerbrechlichen Dingen beschäftigt, unwillkürlich auch eine Sorge um diese aufbaut. Insofern ist die Verborgenheit zwischen Hecken auf einem stillen Hof etwas, das man sehr gern als einen zweiten Schutzmantel um das Paar weiß. Verlässt man das Gelände, hebt der Pförtner seinen Blick nicht. Und schweigt auch zum Gruß.

(Ben Kaden / Berlin, 07.08.2016)

Das Wandbild an der Schwimmhalle.

Wenn man in Berlin, zum Beispiel, mit der U-Bahn zum Bahnhof Tierpark fährt, dort die Treppe in Richtung des früheren Hans-Loch-Viertels und also nicht zum Tierpark hinaufsteigt, den Heinrich-Dathe-Platz überquert und den Wohnblock, in dem Heiner Müller immerhin vierzehn Jahre in einer Sechsraum-Neubauwohnung wohnte, passiert, fädelt man leicht auf die Dathepromenade ein, die man sich vielleicht mit einigen Rentnerinnen mit kleinen Hunden und drei Schulkindern zu teilen hat und die ein sanfter Fußweg ist, parallel zur Erschließungsstraße des Erieseerings und auf eine Schwimmhalle zu laufend, die Schwimmhalle Sewanstraße heißt und an deren Wand auf der Eingangsseite sich eine sehr schmucke und ungewöhnliche Malerei aus dem Jahr 1978 befindet, die ein Künstler namens Rolf Lindemann verantwortet und die den nicht sofort einleuchtenden (später ein bisschen) Namen “Menschen und Natur” trägt und viele Details hat, so dass man ruhig mal einen Moment vor ihr stehen bleiben und entdecken kann und wenn man Glück hat, findet man etwas von sich darin, zum Beispiel.

Rolf Lindemann - Wandbild an der Schwimmhalle Sewanstraße, Berlin
Rolf Lindemann – Wandbild an der Schwimmhalle Sewanstraße, Berlin

(Ben Kaden / Berlin, 15.04.2016)