Funky Founga: Eine Briefmarke aus Mayotte.

Den meisten Nicht-Philatelist_innen dürfte eine Sammlungskonzentration auf das Motiv der Zibet- bzw. Schleichkatzen als unsinnige Überqualifizierung erscheinen. Wie viele Briefmarken mag es dazu geben? Nun, allein ein oberflächlicher Blick in die internationale Ausgabegeschichte fördert eine nicht geringe, sprich mindestens höhere zweistellige Anzahl aus Ausgabeländern von Botswana bis Vietnam zu Tage. Als Sammelgebiet ist das ein dankbare Zahl, passt sie doch in ein handliches Album und zwar bei einer zeitlichen und geographischen Streuung, die eine vollständige Füllung des selbigen nicht gleich morgen verspricht.

Eines der frühesten Exemplare dürfte die auch in Überdruckvarianten gehandelten 2-Cent-Marke aus Liberia aus dem Jahr 1918 sein (Scott Nr. 164). Das schöne Exemplar, das heute in unsere Sammlung gelangt, stammt allerdings aus dem französischen Übersee-Départment Mayotte, einigen winzigen Inseln am Ende der Komoren-Kette, die die Eurozone auch in diesen Teil der Welt erweitern.

Briefmarke Mayotte - Founga
Briefmarke – Founga Mayotte (Scott Nr. 126)

Gestaltet wurde die Ausgabe aus dem Jahr 1999 von dem mir bisher unbekannten Gestalter Philippe Marjolet sowie dem sehr bekannten französischen Briefmarkengestalter Claude Jumelet (bzw. hier). Es wird deren Geheimnis bleiben, warum das Tier so traurig bis bedröppelt dreinblickt und eine Art schüchternen Hilferuf an den Betrachter zu senden scheint. Möglicherweise ahnt es ja den harten Stempel in der Poststelle Mamoudzou voraus. Neben der grafischen Gestaltung ist vielleicht noch bemerkenswert, dass es sich um eine der beiden letzten Ausgaben vor dem Zeitalter der Doppelnominale war (die andere Marke zeigt eine Baobab). Nicht einmal zwei Jahre, vom 05.Juni 1999 bis zum 30. März 2001 war die Katze Founga in postalischem Gebrauch. Neben dem überschaubaren Postaufkommen Mayottes könnte das ein Grund sein, warum man sie nur äußerst selten in gestempelter Form antrifft. Wir haben entsprechend auch nur ein, deswegen aber nicht minder schönes, postfrisches Exemplar der Zirbelkatze mit den orangenen Augen und den Teddy-bärigen Ohren im Album. Und wie immer bei solchen Schmuckstücken der Briefmarkengeschichte sehr viel Freude daran.

(Berlin, 10.01.2016)