Die Kunst der DDR auf der 8. Biennale der Ostseeländer (1979). Ein Blick in den Katalog.

Katalog 8. Biennale der Ostseeländer 1979
Katalog 8. Biennale der Ostseeländer, Kunsthalle Rostock 1979

Im Sommer 1979 fand in der Rostocker Kunsthalle die achte Auflage der Biennale der Ostseeländer statt. Sie war im Einklang mit dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen “Jahr des Kindes” “den Kindern der Welt gewidmet”. Dies schlug sich wenigstens teilweise, am Ende aber doch erstaunlich wenig in der Auswahl der gezeigten Werke nieder. Zur größten nachträglicher Sichtbarkeit brachte es vermutlich Theo Baldens Bronzeplastik “Mutter und Kind” – unter anderem, weil mehrere Abgüsse in den Stadträumen zum Beispiel von Magdeburg und Berlin-Pankow wiederfanden. Auf der Biennale selbst war Theo Balden gleich mit neun Arbeiten zu sehen. Die Auswahl wäre natürlich wie auch die Ausstellung selbst eine tiefere retrospektive Betrachtung wert, die jedoch an anderer Stelle erfolgen muss. Als ergänzendes Mosaiksteinchen zur Materialsammlung zur Kunst der DDR will ich an dieser Stelle nur kurz die laut Katalog auf der Biennale gezeigten Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der DDR auflisten. Zudem wird vermerkt, wenn sie im entsprechenden Katalogheft abgebildet werden. Fünf Arbeiten sind im Teilheft mit dem Vorwort farbig abgedruckt, was in der Liste entsprechend gekennzeichnet wird. Die übrigen Abbildungen sind schwarzweiß.

[Sekretariat Kunsthalle Rostock]: 8. Biennale der Ostseeländer: Malerei – Plastik – Grafik. Kunsthalle Rostock: 7. Juli bis 2. September 1979. 10 Teilhefte. [Teilheft “Vorwort” mit einem Einführungstext von Horst Zimmermann. Teilheft “Deutsche Demokratische Republik” mit einem Einführungstext von Maria Orphal.] Rostock: 1979. Continue reading

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Bildkunst und Baukunst. Eine kurze Notiz und eine Liste zu Ullrich Kuhirts Buch aus dem Jahr 1970.

Buch Ullrich Kuhirt: Bildkunst und Baukunst. Berlin: 1970
Buch Ullrich Kuhirt: Bildkunst und Baukunst. Berlin: 1970

Zeitlich durchaus passend zu einer belebenden Diskussion in der Facebook-Gruppe FG Ostmodern über die unscharfe Abgrenzung zwischen Kunst (mit höherem Aussageziel, eher bildend) und Gestaltung (stärker als Stadtraumdekor gedacht, eher angewandt) bei der baugebundenen Kunst der DDR fand sich auf meinem Schreibtisch Ullrich Kuhirts 1970 erschienenes Buch “Bildkunst und Baukunst. Zum Problem der Synthese von Kunst und Architektur in der DDR” (Berlin: Dietz Verlag) ein, in Form eines aus dem Bestand des Instituts für Marxistische Studien und Forschungen in Frankfurt/Main ausgesonderten Exemplars. Ein Standardwerk für das Diskurs- und Selbstverständnis der offiziellen vor allem architekturbezogenen Kunst der DDR von satten 450 Seiten lässt sich selbstverständlich nicht mal so nebenbei lesen, geschweige denn in einen Aufsatz gießen, vor allem, wenn dieser besser nicht selbst ausufern sollte. Die Motivation zu einer umfassenden Lektüre und Auslegung bleibt auch deshalb überschaubar, weil der Stil des Buches nicht unbedingt der Flüssigkeit entspricht, die man mittlerweile,  wenn auch oft vergeblich, selbst von Fachbüchern erwartet. Textprobe:

“Wissenschaftliche Planung und Leitung bilden eine dialektische Einheit von theoretisch-konzeptioneller, politisch-ideologischer und praktisch-organisatorischer Tätigkeit, von Überzeugungsarbeit und Administration, Einsatz moralischer und materieller Stimuli. In allen Phasen dieser Arbeit ist die politisch-ideologische Führungstätigkeit das Hauptinstrument der Leitung künstlerischer Prozesse – von der konzeptionellen und thematischen Vorgabe über die geistig-emotionale “Einstimmung” des Künstlers, seine Orientierung auf das theoretische und praktische Studium wesentlicher gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse, die Klärung auftretender ideologischer Probleme während des Schaffensprozesses bis zur Diskussion über fertige Kunstwerke. Alles das ist keineswegs allein Sache gewählter Leitungsgremien oder hauptamtlicher Funktionäre, sondern eine öffentliche Angelegenheit, an der in allen Phasen immer größere Kreise von Werktätigen, insbesondere von Schrittmachern der Produktion und anderer Bereich des gesellschaftlichen Lebens, aktiv mitwirken.” (Kuhirt, 1970, S. 450f.)

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Die HO-Clubgaststätte “Zur Mühle” im Prenzlauer Berg, 1980. Zu einer Ansichtskarte

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

Ansichtskarte Berlin HO-Clubgaststätte zur Mühle
Kugelleuchten, Faltendach, der sechseckige Waschbetonpapierkorb, ein Brunnen, ein Paar beim Abgang von der Terasse, ein Kind beim Queren des Platzes, die rahmenden Neubauten, ein sommerlicher Schatten – die Ansichtskarte sammelt alle Zutaten der zeittypischen Bildsprache dieses Mediums zusammen. Und inszeniert hier die noch recht junge Berlin HO-Clubgaststätte “Zur Mühle” an der Greifswalder Straße im Prenzlauer Berg, entworfen von Friedrich Kalusche, gebaut vom BMK Ingenieurhochbau Berlin, eröffnet am 01. März 1977

Der Prenzlauer Berg ist bekanntlich nicht zwingend das, was man wirklich einen Berg nennen würde. Aber schon etwas ähnliches, was man gut spürt, wenn man auf einem Fahrrad die Veteranenstraße oder die Invalidenstraße hochradelt. Das ansonsten fast langweilig ebene Berlin nötigt hier durchaus mal drei, vier energischere Tritte in die Pedale ab. Nichts Anstrengendes, natürlich, und wer aus dem Odenwald oder Erzgebirge oder Lissabon stammt, nimmt die Anstiege womöglich überhaupt nie bewusst war, so unscheinbar sind sie im Vergleich. Diese kleine idyllische Hügellage vor dem Rosenthaler, dem Schönhauser und dem Prenzlauer Tor an deren anderen Ende kleine, bald von der wuchernden Hauptstadt Berlin eingeschlossene Örtchen wie Weißensee oder Heinersdorf oder auch die Colonie Neu-Hohenschönhausen in der Landschaft lagen, versprach vergleichsweise guten Wind, weshalb sich ein Großteil der Berliner Windmühlen, an die man heute viel zu wenig denkt, in diesem Gebiet befand. Der Prenzlauer Berg war eine Windmühlenlandschaft und wer dem nachspüren möchte, findet in Daniela Dahns Buch “Prenzlauer Berg-Tour” (1987 bzw. 2001) nach wie vor eine exzellenten Einstieg auch in ein Gewölbe unter der Schönhauser Allee 73. Continue reading

Köthen, Murmansk. Zwei Ansichtskarten.

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

Ansichtskarte Köthen Internatshochhaus
Hinter Bäumen: Das Internatshochhaus der Ingenierhochschule Köthen, 1970

Ein Haus braucht einen Fußboden in mindestens 22 Metern Höhe um in Deutschland als Hochhaus zu gelten. Das Internatshochhaus der “Ingenieurschule für Chemische Technik „Frederic Joliot-Curie” Köthen /Bernburg (heute Wohnheim 5)  nimmt dieses Kriterium locker, denn es kommt auf 35 Meter bis zur Dachkante. Diese Dimension ist der Ansichtskarte aus dem lokalen Heldge-Verlag freilich gar nicht so recht anzumerken, die 1970 dieses recht neue städtebauliche Wahrzeichen der so kleinen wie tradidtionsreichen Stadt – unter anderem wurde hier die so genannte “Fruchtbringende Gesellschaft” gegründet – würdigte. (Es sei denn, natürlich, man zählt die Platten.) Dies liegt unverkennbar an der nur wenig gebändigten Vegetation an der Antoinettenstraße Ecke Bernburger. So fragt sich der Betrachter auf den ersten Blick zwangsläufig, ob der Stadtraum dem Fotografen oder der Fotografin nicht doch eine Perspektive anbieten hätte können, die den Neubau besser zu Geltung bringt.

Andererseits erhält die Aufnahme gerade dadurch ihren Reiz, dass sie das Objekt der Repräsentation weitgehend laubverhüllt zeigt. Continue reading